aktualisiert: 22.09.2010

Die Flut von August 2010

Auf dieser Seite sehen Sie einige Bilder, die die ungeheure Zerstörung durch das Hochwassers der Neiße von Anfang August 2010 dokumentieren

Neiße fließt in den See

Blick von Görlitz in Richtung Berzdorfer See

Dazu möchte ich einige Erläuterungen machen, über die Ursachen und das derzeit bekannte Ausmass

Hochwasser 07. und 08. August 2010

Wie es dazu kam

- Anfang August entstand an der Südspitze Grönlands das Tief „Viola“, welches sich bis zum 5. August bis Italien ausbreitete und dabei auch teilte

- Bereits am Donnerstagmorgen (05.08.2010) gab es die ersten Unwetterwarnungen, zuerst für den Alpenraum, gleichzeitig wurde aber auch
 auf Hochwasser in Tschechien und Sachsen hingewiesen

- das langsam in Richtung Ostsee ziehende Tief „Viola“ brachte am Freitag und Sonnabend lang anhaltende, starke schauerartige Niederschläge

- am Nordrand des Isergebirges fielen so innerhalb von 3 Tagen bis zu 267 mm Regen (Hejnice), es kam aber auch zu starkem Niederschlag im 
 gesamten Dreiländereck Tschechien-Polen-Deutschland

- diese hohen Niederschlagsmengen führten zu einem raschen Anstieg der Pegel vieler Flüsse in diesem Gebiet

- da auch zwei Stauseen nach diesen Wassermassen brachen, kam es entlang der Neiße zu einer Jahrhundertflut

 

Isergebirge

Wittka

hier im Isergebirge entspringt die Wittig ((tschech. Smědá, poln. Witka)

so kommt die Witka aus dem Isergebirge

der Bruch des Witka-Stausee

- der Witka-Stausee wurde in den Jahren 1958 bis 1962 gebaut, um die Brauchwasserversorgung des neu entstandenen Kohlekraftwerkes in Turow
 zu sichern

- die Witka (dt. Wittig) entspringt am Iserkamm und ist ein ruhiger Fluss der selten Hochwasserschäden angerichtet hat

- schon seit vielen Jahren wurden bei nahendem Hochwasser in der Witka die Schleusen am Wehr etwas mehr geöffnet um Platz für die kommenden
 Wassermassen geschaffen. So kam es immer wieder zu kurzfristigem Hochwasser in der Neiße, dass aber oft auf den Neißewiesen vor Görlitz verlief

- im August 2010 war es aber anders: die Witka brachte am 07.08.2010 so viel Wasser, dass obwohl seit 14.30 Uhr die Schleusen geöffnet wurden
 (und ab 15.50 Uhr total offen waren), die Wassermassen ab 17.20 Uhr die Krone der Staumauer überwunden hatten
 (Anstieg im Stausee innerhalb von ca. 90 Minuten um 1,70 Meter!)

- ab 15.30 Uhr wurden die polnischen Behörden informiert, leider leiteten diese die wichtigen Informationen erst gegen 18.30 Uhr an Deutschland weiter

- das Wasser bewirkte, dass der Damm auf der Seite in Richtung Neiße (Dt.) ausgewaschen wurde.
 Der Damm bestand im Kern nur aus Sand, der vom Wasser ausgespült wurde und nach etwa einer halben Stunde (also gegen 18.00 Uhr) durchbrach das
 Wasser an einigen Stellen die Stauwand und ergoss sich in Richtung Neiße

- die Bewohner in nächst anliegenden Ort Radomierzyce (dt. Radmeritz) konnten sich retten, es ist aber ein Feuerwehrmann in den Fluten umgekommen
 

Wittka_Staumauer

Wittka_Staumauer_1

die Reste der Staumauer am Stauwerk

aus einem Kieshaufen, abgedeckt mit Betonplatten und Teer bestand die Staumauer

die Flut rollt weiter

- die Witka blockierte an ihrer Einmündung zunächst die Neiße und führte zu einem Rückstau in der Pließnitz, was zu einem Jahrhunderthochwasser in
 Hagenwerder und Ostritz führte

- danach bewegte sich die gewaltige Flutwelle in Richtung Görlitz, dabei überwand die Neiße die Stauwand (mit Radweg), die Strasse B 99 und spülte teilweise
 den Bahndamm hinter der ehem. Ortschaft Deutsch-Ossig in den Berzdorfer See

- die LMBV Sachsen öffnete die Flutanlage an der Neiße, wodurch zusätzliches Wasser in den See gelangte
 (offiziell wird von etwa 5 Mill. Kubikmetern Wasser gesprochen, hinzu kommt noch der Bahndamm und viele Mengen an Strassen und
 Böschungsbefestigungen) (angeblich kamen über die Witka bis zu 30 Mill. Kubikmeter Wasser nach Deutschland)

- obwohl eine große Menge Wasser und Schlamm in den See abgeleitet wurde, kam es zum höchsten Anstieg der Neiße in Görlitz der je gemessen wurde
  (7,07 Meter am 08.08.2010) und diese Flutwelle lief Tage später in die Oder ohne in Brandenburg grösseren Schaden angerichtet zu haben

 

Neissebruecke_1

Neisseflut_1

am Sonntag, dem 08. August 2010 erreichte die Neiße die Hohe von 7.07 Metern

zahlreiche Häuser wurden überflutet

Schadensbilanz

- Leider gab es auf der deutschen Seite der Neiße doch ein Todesopfer zu beklagen, in Polen starben 3 Personen und 5 in Tschechien

- allein für unsere Region wird für Deutschland ein Schaden von 425 Mio. Euro geschätzt

- die Deutsche Bahn schätzt die Kosten für die Wiederherstellung der Bahnstrecke Görlitz-Zittau auf 5 Mio. Euro

- die LMBV rechnet mit 2 Mio. Euro, die benötigt werden um den angerichteten Schaden wieder zu beheben (Teerstraßen, Böschungen und Neißeauslauf)

Es gibt die Meinung, dass der Berzdorfer See ein Glücksfall für die Stadt Görlitz war. Die Neiße wäre um bis zu 2 Meter höher gestiegen, wenn nicht viel Wasser und Geröll in diesen See geflossen wären.
Allein in diesen wenigen Tagen ist der See um etwa einen halben Meter gestiegen. Nach meiner vorsichtigen Schätzung sind somit mehr als 10 Mill. Kubikmetern in den See gelangt
 

Bilder vom
Hochwasserschaden
(August 2010)